Ankunft

Januar 4, 2009

km 23.684
back2life

Ja, die sitzen mir in den Knochen. Jeder einzelne Kilometer, jede einzelne Zeitzone, jede Klimaregion, jede Dimension. Und hier in Berlin liegt Schnee.

Grob gesprochen haben wir Stationen auf drei verschiedenen Kontinenten gemacht. Wir haben jeweils die gleichen Transportmittel genommen wie die Zutaten, waren also mit Flugzeug, Frachtschiff und Auto unterwegs. Mindestens eine Richtung jedes Transportweges einer Zutat war auf jeden Fall in unserer Rundreise enthalten. Klingt nüchtern.

Real ist das nicht. Die letzten 26 Tage haben sich um einen Planeten erweitert und auf ein Leben ausgedehnt. Kilometer lassen sich auf sehr unterschiedliche Weise hinter sich bringen. So banal lässt sich das zusammenfassen. Orte bleiben unerreicht, nur Fixpunkte für An- und Abreisen. Das Innenleben von Mietwagen ist ein seltsamer Vergleichspunkt, um Länder kennenzulernen. Und dennoch sehr präzise. Seehäfen befeuchten flughafengeplagte Schleimhäute.

Gelebte Klischees, die Sonne geht auf und sie geht auch unter. Jeden Meerestag. Man erbricht nur weniger nach einer bestimmten Anzahl von Sonnenaufgängen. Es bleibt bizarr, Schuhsohlensand von einem Kontinent über die Meere zum anderen, und dann noch eine Messerspitze mitten auf einer Kontinentalplattenspalte aus dem Schuh zu schütteln. Klar, die Haut spielt verrückt. Wasser hat viele Geschmäcker, von wegen kalt und klar. Man bekommt Lust, den Rest des Lebens als Naturschützer zu verbringen. Oder ethnografische Romane zu schreiben. Auf jeden Fall macht sowas tierisch romantisch. Und unabgeklärt. Und größtenteils sprachlos, bis auf ein paar Brocken.

Jede einzelne Impression, wer in meinen Kopf einbricht, wird reich sein.

Aber nur in Berlin liegt Schnee.

Abflug

Dezember 10, 2008

km 0

aufbruch2

Eins der Gefühle ist: ENDLICH. Wir fliegen tatsächlich los. Der Zeitplan über die nächsten 26 Tage steht. Sehr eng getaktet, aber steht. Die Finanzierung steht. Die Reservierungen sind raus und bestätigt. Und was das Wichtigste ist: dieser Reise liegen tatsächlich jene in meinem Projektjargon bereits sagenumwobenen „aktuellen Transportdaten des Jahres 2008“ zugrunde. Das hat seinen Preis: der liegt hinter mir: über Monate zogen sich die Verhandlungen mit der Rechtsabteilung des Joghurtherstellers hin, mündeten letztlich in einem Vertrag, der detailliert festlegt, dass alle am Projekt Beteiligten sich zu absolutem Stillschweigen über die zur Verfügung gestellten Daten verpflichten, nichts darf über diesen Blog oder auf anderen Wegen an die Öffentlichkeit dringen. Gleiches gilt natürlich auch für den Namen des Herstellers, der in keiner Weise mit diesem Projekt in Verbindung gebracht werden möchte.

Das Fleisch fehlt also, wird wohl auch fehlen, bleiben ein paar Worte noch zum Skelett: die Daten sind punktueller Natur. Grundsätzlich entscheiden Saison und Angebot über den Bezugsort/den Zulieferer einer Zutat. Die Erdbeeren kommen also nicht generell aus dem Land XY. Das ändert und verschiebt sich innerhalb von Tagen.

Und dann: Erdbeeren. Eine schwierige Entscheidung, sollen wir nun den Erbeeren oder den Holzspänen und Schimmelpilzen, den für den Erdbeergeschmack/-geruch, für das gesamte Gefühl eines Erdbeerjoghurts verantwortlichen Aromastoffen folgen. Wir folgen der Erdbeere, weil sie den Zeiten trotzt, weil sie immer noch im Erdbeerjoghurt ihren Platz findet.

Und um die Parallele zur ersten Reise im vergangenen Sommer aufrechtzuerhalten, folgen wir ausschließlich den Erdbeeren, den Joghurtkulturen, der Milch und dem Zucker. Die Liste der Zutaten ließe sich natürlich entschieden verlängern, erweitern und bleibt letztlich lückenhaft. Bereits im Ansatz sind die Daten also ein Auszug, eine Reduzierung, ein momentaner Ausschnitt.

Ein anderes Gefühl ist: GLÜCKLICH. All diese Hausaufgaben sind korrekt und gewissenhaft erledigt – good girl – und jetzt fliegen wir los.

Kurz vor dem Abflug bekomme ich beim Friseur noch einen Glückskeks mit auf den Weg: Die laengste Strasse ist die kuerzeste, wenn sie nach Hause fuehrt. Der Rest sind Geschichten.